Rosemarie Schade • Argentinien | Köln, 21.03.2019

Sehnsucht nach fremden Ländern und Kulturen hatte ich schon seit meiner Kindheit, nachdem ich alle Bücher von Karl May verschlungen hatte. Damals gab es sonst keine Informationsmöglichkeiten, weder Fernsehen, noch Internet, noch DVDs, heute kaum vorstellbar. Besonders die großartigen Beschreibungen des Buches „Am Rio de la Plata“ faszinierten mich. Deshalb bewarb ich mich vor mehr als 50 Jahren um ein Praktikum bei der damaligen Bayer-AG in Buenos Aires. Ich wollte auch raus der Enge, der ständigen Bevormundung durch meinen cholerischen und autoritären Vater und wollte endlich selbstständig und mutiger werden, deshalb musste es ein Radikalschnitt sein. Ich war nun volljährig, sonst hätte es mein Vater nicht erlaubt. Das Praktikum, das ich für das Studium brauchte, und das Reisekostenstipendium habe ich mir selbst besorgt, was nicht ganz leicht war.

Sechs Monate dauerte das Praktikum, in dem ich auch richtig gearbeitet habe: als Vertretung der Sekretärin und als Handlangerin für alles, was anfiel. Vor allem habe ich eine unglaubliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft erlebt und Eindrücke gesammelt, die mich nachhaltig geprägt haben. Ich wurde selbstständiger und mutiger, und ich traute mir nun vieles zu, was ich früher für unmöglich gehalten hatte. So verlängerte ich den Aufenthalt nach dem Praktikum um weitere 6 Monate und reiste allein durch Süd-und Mittelamerika.
(Der Aufenthalt hat mich auch beruflich geprägt: ich wollte etwas mit Spanisch machen. So arbeitete ich nach dem Studium erst als Reiseleiterin, dann als Übersetzerin und schließlich als Lehrerin für Spanisch und Mathematik).

Argentinien, das „Land am anderen Ende der Welt“, wie es der Papst bei seiner Wahl 2013 sagte, wurde mir zur zweiten Heimat, ich habe seit mehr als 50 Jahren Freunde dort, und ich habe im Laufe der Jahre sehr viel vom Land kennen- und lieben gelernt.

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