Stephan Vierhok • Der Jakobsweg, oder die etwas andere Urlaubsreise | Bochum, 07.05.2020

Von Saint-Jean-Pied-de-Port in Südfrankreich über die Pyrenäen, durch Nordspanien bis nach Santiago de Compostela in Galizien. Knapp 800 km in 28 Tagen waren es die ich für dieses Abenteuer benötigte. Niemals zuvor war ich so viele Tage am Stück unterwegs oder bin überhaupt wirklich gewandert. Es war meine allererste Pilgerreise. Aber für mich war klar, es musste genau dieser Weg sein. „Ich bin dann mal weg“ hatte ich natürlich einige Zeit vorher gelesen. Bis zum eigentlichen Start verging jedoch noch eine ganze Weile, da es in den letzten Jahren viele persönliche Schicksalsschläge und den Verlust von Familienmitgliedern gab. Daher reizte mich der Gedanke, einmal allem entfliehen zu können, um sich nur um sich selbst kümmern müssen, ohne die Pflichten des Alltags. Anderen Menschen zu begegnen, die diesen Weg ebenfalls gehen, zu erfahren, was sie dazu bewegt hat, aus welchen Gründen sie diesen Weg gehen, was sie sich erhoffen.

Aber wie bereite ich mich nun genau vor? Wie komme ich am besten dorthin und was muss ich vorher alles über den Weg wissen? Was muss ich mitnehmen und was nicht? Wieviel Gewicht sollte man sich wirklich zumuten? All das waren Fragen, die ich mir innerhalb kürzester Zeit beantworten musste, da ich ab dem Zeitpunkt der Entscheidung noch zwei Monate bis zur Abreise hatte.

Der Weg forderte mich mental und körperlich täglich aufs Neue, ganz besonders in den ersten Tagen mit der ungewohnten Belastung. Aber es erwartet einen auch jeden Tag etwas unerwartetes. Das Wunderwerk Körper schafft es hinzu noch, dass man jeden Morgen wieder loslaufen kann, obwohl man abends zuvor nicht damit gerechnet hat. Ich bin so vielen tollen Leuten aus allen Ecken dieser Welt begegnet. Auf dem Pilgerweg herrscht ein ganz spezieller Spirit, an den ich mich erstmal gewöhnen musste. Jeder hat Gründe, warum er da ist und man bekommt diese auch schonungslos mitgeteilt. Dort sind materielle Dinge völlig unwichtig. Es zählt der Mensch und nicht der Beruf oder das Geld, das er hat. Man wird immer weiter geerdet und lernt die kleinen Dinge des Lebens wieder zu schätzen.